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Was ist Vibe Coding? Einfach erklärt

9 Min. Lesezeit Nicolas Goldstrass

// kurz gesagt

Vibe Coding heißt: Du beschreibst einer KI in normaler Sprache, was eine Software tun soll, und die KI schreibt den Code. Den Begriff prägte der KI-Forscher Andrej Karpathy am 2. Februar 2025. Für Prototypen und kleine Werkzeuge funktioniert das sehr gut. Sobald Kundendaten, Logins oder Zahlungen ins Spiel kommen, musst du verstehen, was die KI da baut.

Vibe Coding ist das Schlagwort dafür, dass Software-Entwicklung sich gerade für alle öffnet, die nie programmieren gelernt haben. Du sagst einer KI, was du brauchst, und sie schreibt den Code. Ich arbeite täglich so, mit Claude Code. In diesem Beitrag erfährst du, was der Begriff genau bedeutet, woher er kommt, welche Tools es gibt und an welcher Stelle aus einem schnellen Erfolg ein Risiko wird.

Was bedeutet Vibe Coding?

Beim klassischen Programmieren schreibst du jede Zeile selbst. Beim Vibe Coding gibst du die Richtung vor, und ein KI-Modell erledigt die Schreibarbeit. Du sagst „Ich brauche eine Kundenliste mit Suchfeld“, und Sekunden später steht eine erste Version auf dem Bildschirm. Gefällt dir, was du siehst, machst du weiter. Wenn nicht, sagst du, was anders sein soll.

Das Collins Dictionary definiert Vibe Coding als den Einsatz von KI, die mit normaler Sprache angewiesen wird, beim Schreiben von Code zu helfen. Eine feste deutsche Übersetzung gibt es nicht. Am nächsten kommt „Programmieren nach Gefühl“: Du steuerst über das sichtbare Ergebnis, nicht über den Code.

Im Alltag verschwimmen die Begriffe. Diese Unterscheidung hilft:

Klassisch programmierenKI-gestützt programmierenVibe Coding
Wer schreibt den Code?dudu und die KI gemeinsamdie KI
Liest du den Code?jede Zeileja, du prüfst die Vorschlägemeist nicht
Wie steuerst du?über den Codeüber Code und Anweisungenüber das Ergebnis auf dem Bildschirm
Typisch fürProfisEntwicklerteamsEinsteiger, Prototypen, eigene Werkzeuge

Woher kommt der Begriff Vibe Coding?

Geprägt hat ihn Andrej Karpathy, Gründungsmitglied von OpenAI und früher KI-Chef bei Tesla. Am 2. Februar 2025 schrieb er auf X: „There’s a new kind of coding I call ‚vibe coding‘, where you fully give in to the vibes, embrace exponentials, and forget that the code even exists.“ Sinngemäß: eine neue Art zu programmieren, bei der man sich ganz dem Gefühl überlässt und vergisst, dass es den Code überhaupt gibt.

Karpathy beschrieb im selben Beitrag, wie er einem KI-Editor per Spracheingabe Anweisungen gab, Änderungen ungelesen übernahm und Fehlermeldungen kommentarlos zurück in den Chat kopierte. Meistens habe das funktioniert. Gedacht war das ausdrücklich für Wochenendprojekte, die man auch wieder wegwerfen kann.

Der Begriff verbreitete sich in Rekordzeit. Im November 2025 kürte Collins „vibe coding“ zum Wort des Jahres. Ein Jahr nach seinem ersten Beitrag, im Februar 2026, schlug Karpathy für die professionelle Variante einen neuen Namen vor: „Agentic Engineering“. Gemeint ist, dass KI-Agenten den Code schreiben, während der Mensch sie anleitet und kontrolliert. Das Wort „Engineering“ soll zeigen, dass dafür echtes Können nötig ist.

Wie funktioniert Vibe Coding?

Hinter jedem Vibe-Coding-Tool stecken zwei Dinge: ein großes Sprachmodell, das Code schreibt, und eine Umgebung, die diesen Code sofort ausführt. Du siehst also nicht den Code, sondern die laufende App. Der Ablauf ist immer gleich:

  1. Beschreiben: Du erklärst in ein paar Sätzen, wer die Software nutzt und was sie können soll.
  2. Bauen lassen: Die KI schreibt den Code, richtet bei Bedarf eine Datenbank ein und zeigt dir eine Vorschau.
  3. Testen: Du klickst dich durch und notierst, was nicht passt.
  4. Nachsteuern: Du meldest jeden Fehler einzeln und konkret, die KI ändert den Code.
  5. Sichern: Läuft eine Version, speicherst du den Stand, bevor du die nächste Funktion angehst.

So kann ein erster Prompt aussehen:

Baue eine Web-App für einen Malerbetrieb mit 5 Mitarbeitern.
Ziel: Jeder sieht morgens auf dem Handy seine Baustellen des Tages.
Funktionen in Version 1:
- Liste der Baustellen mit Adresse, Uhrzeit und Notiz
- Filter nach Mitarbeiter
- Der Chef kann Baustellen anlegen und zuweisen
Noch nicht: Zeiterfassung, Rechnungen, Fotos.
Sprache der Oberfläche: Deutsch. Schlichtes Design, große Schrift.

Und so eine gute Rückmeldung, wenn etwas nicht klappt:

Wenn ich eine Baustelle ohne Notiz speichere, erscheint sie nicht in der Liste.
Erwartet: Die Baustelle erscheint, das Notizfeld bleibt leer.
Bitte nur diesen Fehler beheben und sonst nichts ändern.

Der zweite Prompt zeigt den wichtigsten Kniff: eine Sache pro Nachricht, und klar sagen, was unverändert bleiben soll. Je größer die Bitte, desto öfter repariert die KI eine Stelle und beschädigt dabei eine andere.

Welche Tools gibt es für Vibe Coding?

Es gibt zwei Sorten. Baukästen im Browser erledigen alles an einem Ort: Code, Vorschau, Datenbank, Veröffentlichung. Du installierst nichts. Coding-Agenten arbeiten mit echten Projektdateien auf deinem Rechner. Sie können mehr, verlangen aber Einarbeitung.

ToolArtGut fürEinstieg (Stand: Oktober 2026)
LovableBaukasten im BrowserWeb-Apps mit Login und Datenbankgratis mit 5 Credits pro Tag (max. 30 im Monat), Pro ab ca. 25 $
Bolt.newBaukasten im BrowserPrototypen, auch Handy-Appsgratis mit 1 Mio. Tokens im Monat, Pro 25 $
ReplitBaukasten im BrowserApps inklusive HostingGratis-Modus mit Limits, Core ab 20 $
CursorEditor auf deinem Rechnereigene Projekte mit KI-Hilfegratis mit Limits, bezahlt ab 8 $ mit Grok-Modellen; Claude und GPT ab 30 $ plus Verbrauch
Claude CodeCoding-Agent (Terminal, Desktop-App)größere Projekte, Automatisierungenthalten ab Claude Pro, 20 $
OpenAI CodexCoding-Agentgrößere Projekte, Code verstehenenthalten ab ChatGPT Plus, 20 $

Ob Lovable auch für Firmenprojekte taugt, beantwortet der Ratgeber Ist Lovable seriös?. Wenn du zwischen den beiden bekanntesten Werkzeugen für Fortgeschrittene schwankst, hilft der Vergleich Claude Code oder Cursor.

Faustregel: Für deine erste App nimm einen Baukasten im Browser. Wechsle zu einem Coding-Agenten, wenn das Projekt wächst oder du den Code selbst besitzen willst.

Vibe Coding auf Deutsch: Geht das?

Ja. Du kannst in allen genannten Tools auf Deutsch beschreiben, was du willst, und die Modelle verstehen das gut. Englisch brauchst du an zwei Stellen trotzdem: Die Oberflächen der Tools und viele Fehlermeldungen sind meist englisch. Kopiere eine unverständliche Meldung in den Chat und frag: „Was bedeutet das, und was ist die wahrscheinlichste Ursache?“

Ein bewährter Kompromiss für deine Vorgaben: Die Oberfläche deiner App ist deutsch, der Code und die Namen im Code bleiben englisch. So findet die KI sich in ihrem eigenen Code besser zurecht, und du kannst später leichter Hilfe von Entwicklern bekommen.

Vibe Coding Beispiele: Was kannst du damit bauen?

Die besten Projekte für den Einstieg lösen ein Problem, das du selbst hast. Typische Beispiele aus dem Alltag von Selbstständigen und kleinen Teams:

  • Angebotsrechner für deine Website: Kunden geben Fläche und Material ein, der Rechner zeigt eine Preisspanne.
  • Interne Auftragsliste, die Zettel und WhatsApp-Gruppen ersetzt.
  • Landingpage für ein neues Angebot, mit Kontaktformular.
  • Kleines Datenwerkzeug, das den Export deiner Buchhaltung in das Format bringt, das dein Steuerbüro braucht.
  • Checklisten-App für wiederkehrende Abläufe, etwa die Übergabe einer Ferienwohnung.

Mit Coding-Agenten geht es deutlich weiter. Meine eigenen Apps reichen von ExcelFix, mit dem du Excel-Dateien im Browser bearbeitest, bis zu Basentracker, einer Ernährungs-App mit über 950 Lebensmitteln und KI-Foto-Scan. In einem Kundenprojekt ging es um eine Excel-Automatisierung, die eine tägliche Aufgabe auf einen Doppelklick reduziert. Solche Projekte sind kein Vibe Coding im strengen Sinn mehr: Ich lese mit, teste gezielt und entscheide über den Aufbau.

Wo die Grenze verläuft:

Eignet sich gutEignet sich schlecht ohne Fachwissen
Prototypen, um eine Idee zu testenApps mit Gesundheits- oder Finanzdaten
interne Werkzeuge für dich oder dein TeamZahlungsabwicklung
Landingpages und kleine WebsitesSoftware, an der andere Systeme hängen
Rechner, Checklisten, DatenumwandlungProdukte, die jahrelang gepflegt werden müssen

Ist Vibe Coding schlecht?

Nein. Aber es hat eine eingebaute Schwäche: Wenn du den Code nicht liest, siehst du nur, ob etwas funktioniert, nicht, ob es sicher ist. Eine Login-Seite, die gut aussieht, kann trotzdem jedem Besucher die Daten aller Nutzer zeigen.

Wie groß das Problem ist, zeigt der GenAI Code Security Report von Veracode vom Juli 2025. Die Sicherheitsfirma ließ über 100 Sprachmodelle 80 Programmieraufgaben lösen. In 45 Prozent der Fälle baute die KI eine Schwachstelle aus der OWASP Top 10 ein, der Liste der häufigsten Sicherheitslücken im Web. Die Modelle schrieben über die Zeit korrekteren Code, aber nicht sichereren. Einschränkung: Das waren Testaufgaben, kein echter Produktionscode, und die Modelle haben sich seitdem weiterentwickelt.

Dazu kommen drei typische Probleme:

  • Geheimnisse im Code: API-Schlüssel landen im Teil der App, den jeder Besucher auslesen kann.
  • Offene Datenbanken: Zugriffsregeln fehlen oder sind zu großzügig.
  • Fehlersuche im Kreis: Die KI behebt einen Fehler und erzeugt zwei neue. Ohne eigenes Verständnis kommst du da schwer heraus.

Und ein rechtlicher Punkt: Sobald deine App personenbezogene Daten speichert, gilt die DSGVO, egal, wer den Code geschrieben hat.

Vier Regeln machen Vibe Coding deutlich sicherer:

  1. Keine echten Kundendaten in Prototypen. Teste mit erfundenen Daten.
  2. Sicherheitsprüfung vor jeder Veröffentlichung. Bitte die KI ausdrücklich: „Prüfe dieses Projekt auf Schlüssel im Code, offene Zugänge und fehlende Zugriffsregeln.“
  3. Jeden funktionierenden Stand sichern, zum Beispiel mit Git oder der Versionsgeschichte des Tools.
  4. Bei Login, Zahlung oder sensiblen Daten einen erfahrenen Menschen draufschauen lassen.

Ob KI dich unterm Strich schneller macht, ist weniger eindeutig, als es klingt. Was Studien dazu zeigen, steht im Beitrag Macht KI wirklich produktiver?.

Ist Vibe Coding die Zukunft?

Für viele kleine Werkzeuge: ja. Software zu bauen, indem man beschreibt, was man will, wird normal. Das zeigt Karpathys eigener Schwenk zum Agentic Engineering: Die KI schreibt weiterhin den Code, aber der Mensch plant, prüft und trägt die Verantwortung.

Für dich heißt das: Die wertvolle Fähigkeit verschiebt sich vom Tippen zum Denken. Wer ein Problem klar beschreiben, ein Ergebnis kritisch testen und Risiken erkennen kann, wird mit KI sehr viel bauen. Wer nur hofft, dass es klappt, baut sich Probleme ein, die später teuer werden. Dass jemand verstehen muss, was gebaut wird, ändert sich nicht.

Wie lernst du Vibe Coding?

Du brauchst kein Informatikstudium, aber einen Plan:

  1. Wähle ein kleines, echtes Problem. Einen Rechner oder eine Liste, die du selbst nutzt. Keinen Marktplatz, kein soziales Netzwerk.
  2. Starte im Browser. Mit Lovable oder Bolt.new siehst du nach Minuten ein Ergebnis und lernst den Kreislauf aus Beschreiben, Testen und Nachsteuern.
  3. Lerne fünf Grundbegriffe: Frontend (was du siehst), Backend (was im Hintergrund läuft), Datenbank, API (wie Programme miteinander reden) und Git (Versionsverwaltung). Lass sie dir von der KI an deinem eigenen Projekt erklären.
  4. Schreib bessere Beschreibungen. Wer nutzt es, was ist die eine Kernfunktion, was kommt ausdrücklich noch nicht? Das spart mehr Zeit als jedes Tool.
  5. Wechsle zum Coding-Agenten, wenn das Projekt wächst. Mit Claude Code oder Codex arbeitest du mit echten Dateien und behältst die Kontrolle. Was Claude Code ist und wie du startest, erklärt der Ratgeber Was ist Claude Code?.

Für die erste kleine App reicht ein Wochenende. Ein Gespür dafür, wann die KI Fehler einbaut, entwickelst du über ein paar Projekte. Fünf aufeinander aufbauende Übungen mit Beispiel-Prompts findest du im Ratgeber Vibe Coding lernen. Schneller geht es, wenn dir jemand an deinem eigenen Vorhaben über die Schulter schaut, ob in einem Vibe-Coding-Kurs oder im Tutoring.

Meine Meinung

Vibe Coding ist das Beste, was Einsteigern passieren konnte. Solange man nicht glaubt, dass man dafür nichts mehr verstehen muss. Wer die Grundbegriffe kennt und sauber testet, baut in Tagen, wofür früher Monate nötig waren.

Häufige Fragen

Was heißt Vibe Coding auf Deutsch?

Eine feste deutsche Übersetzung gibt es nicht. Sinngemäß bedeutet es „Programmieren nach Gefühl“: Du gibst Richtung und Ergebnis vor, die KI schreibt den Code.

Brauche ich Programmierkenntnisse für Vibe Coding?

Für den Einstieg nicht. Je größer dein Projekt wird, desto wichtiger werden Grundbegriffe wie Datenbank, API und Versionsverwaltung, damit du Fehler eingrenzen und Risiken erkennen kannst.

Ist Vibe Coding kostenlos?

Die meisten Tools haben einen Gratis-Einstieg mit Limits, Lovable zum Beispiel mit 5 Credits pro Tag. Für ernsthafte Projekte brauchst du meist ein Abo von ca. 20 bis 25 $ im Monat (Stand: Oktober 2026).

Welches Vibe-Coding-Tool ist für Anfänger am besten?

Für den Start eignen sich Baukästen im Browser wie Lovable oder Bolt.new, weil du nichts installieren musst. Wächst dein Projekt oder willst du den Code selbst in der Hand haben, lohnt sich ein Coding-Agent wie Claude Code.

Du willst das selbst ausprobieren?

Im KI-Tutoring baust du mit mir an deinem eigenen Projekt. Allein oder in einer kleinen Gruppe, 100 % online.

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Nicolas GoldstrassDer Nerd von nebenan. Baut Apps, Plattformen und Automatisierungen und zeigt dir, wie das geht.

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